Über das Refactoring

Ich habe nun fast zwei Jahrzehnte lang mit dem Programmieren mein Geld verdient. Programmieren war und ist für mich schon immer mehr als ein Beruf gewesen. Es war eine Weise, kreativ zu werden. Es war eine Möglichkeit, sich ständig zu üben, sich weiter zu bilden, und auch Experimente zu machen.

Aber dann und wann halte ich dennoch inne und bekomme Zweifel …

Bei privaten Projekten konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Es redete mir keiner drein. Nicht zuletzt deshalb habe ich gerne und viel privat programmiert. pet projects waren mein Ding. Da gab es keine Verpflichtungen und keine Meilensteine. Wenn etwas nicht gelang, konnte ich es einfach beiseite legen und noch einmal von vorne anfangen.

Im Rückblick muss ich sagen: Vielleicht misslang zu viel … um das dann sofort zu korrigieren … Womöglich habe ich oft zu spät das Misslingen eingesehen

Oft wäre schon viel früher der Zeitpunkt gewesen, ein Misslingen einfach einzusehen und noch einmal von Neuem zu beginnen. Klar, je länger man an etwas gearbeitet hat, desto schwerer fällt es, das alles in den Mülleimer zu legen und einen Neuanfang zu wagen. Also quält man sich mit dem Bestehenden ab. Das Bestehende wird immer schwerfälliger und schwerfälliger.

Es gibt in der Programmierer-Welt viele dicke Bücher zu diesem Thema. Das Oberthema heißt Refactoring: Umgestalten, neu machen, verschlanken, verbessern – und eben auch wegwerfen.

Es ist also kein Thema, das nur für meine pet projects relevant ist. Wie oft habe ich in Projekten, für die ich beruflich gearbeitet habe. genau das erlebt: Über Jahre hinweg wurde von einem ganzen Team von Programmierern an einer Sache gearbeitet, die immer nur mit Ach und Krach funktionierte. Jeder Programmierer kennt das. Jeder Programmierer kennt die Situation, dass (meist aus finanziellen oder zeitlichen Gründen) das “Neu-Machen” keine Option ist. Jeder hat längst erkannt, dass man auf einem Berg aus Altlasten sitzt. Aber keiner hält es für möglich, diesen Berg jemals ab zutragen. Es geht einfach nicht. Es ist zu viele. Außerdem funktioniert das Bestehende ja einigermaßen. Man ist sich also nicht sicher, ob ein neuer Versuch zu einer Besserung führen würde. Womöglich würde der neue Versuch sogar zu einer Katastrophe führen. Das Ergebnis könnte noch katastrophaler ausfallen. Oder aber – schlimmer noch – der neue Versuch könnte zu einer Destabilisierung führen. Man hätte also weniger als zuvor. Man könnte den Kunden nicht mehr mit derselben Zuverlässigkeit beliefern, oder man würde schlechtere Produkte herstellen, oder man könnte sogar eine Zeit lang überhaupt keine Produkte mehr herstellen. Eine veritable Katastrophe!

Also bleibt man aus all diesen guten Gründen auf dem sitzen, was man hat. Jede andere Entscheidung würde unter Umständen sogar dazu führen, dass “Köpfe rollen” würden. Das ist nicht im Interesse des Einzelnen. Es scheint ja auch nicht im Interesse des Ganzen zu sein.

Tractatus Logico-Philosophicus

Ist manchmal verblüffend – um nicht zu sagen: erschreckend – wie schwer ist, gewisse Standardwerke von Literatur und Philosophie einfach und lesbar aus dem Internet zu beziehen.

So ging es mir gerade mit dem

Tractatus Logico-Philosophicus von Ludwig Wittgenstein. Das ist nun wirklich kein Leichtgewicht in der Philosophie. Es ist weltbekannt und hat mit Sicherheit weltweit gewirkt. Aber warum ist es so schwierig, dieses Buch als eBook zu beziehen?

Gut, das Buch enthält Formeln und Bilder. Dadurch ist es nicht ganz so einfach, es in elektronischer Form zu publizieren. Aber unmöglich ist es natürlich nicht. Warum finde ich dieses Buch zwar einigermaßen häufig als PDF in Englisch, aber keine vernünftige deutsche Fassung, nicht einmal als PDF?

Die lesbarste Fassung habe ich auf der Seite eines Japaners gefunden (Satoh Sin), der sich ebenfalls mit der elektonischen Lesbarmachung dieses Buches beschäftigt hat.

Das Projekt Gutenberg hat ein deutsch-englisches PDF, das mir nicht gefällt: Deutsche Muttersprachler wollen die deutsche Version lesen. Die wenigstens sind an einer Synopsis interessiert, oder wollen gleich noch die allfälligen Glaubenssätze eines Herausgebers oder des Projektes Gutenberg lesen. Ich habe mir deshalb erlaubt, aus diesem PDF den originalen Text herauszuschneiden.

Was ist lyrx Publishing?

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lyrx Publishing veröffentlicht alles.

Es gibt vier Zonen:

In der IT-Zone befindet sich alles, was mit dem Internet zu tun hat, insbesondere Themen aus der Software-Entwicklung und Blockchain-Technologie.

In die Books-Zone ist alles verbannt worden, was mit dem Schreiben von Texten und mit dem Publishing zu tun hat. Hier geht es also ausschließlich um brotlose Künste.

In der Thoughts-Zone werden philosophische, weltanschauliche und essayistische Themen gehalten.

In der Society-Zone geht es um gesellschaftliche Themen, und das ist absichtlich soll allgemein und schwammig gehalten, damit alles hineinpasst, was sich anderswo thematisch nicht unterbringen ließ. Ein Ghetto also, und damit schon für sich genommen ein gesellschaftliches Phänomen.

Hier wird noch etwas ausführlicher dargelegt, warum dies eine Seite für Alles werden soll.

Was ist IOHK?

Hier unterhalten sich die beiden Gründer von IOHK über den momentanen Stand der Dinge, insbesondere darüber, warum viele gescheitert sind oder scheitern werden.

Charles Hoskinson erklärt zum wiederholten Male, warum es nun wichtig ist, zu liefern, und nicht nur zu versprechen, und warum dies seiner Meinung nach nur mit Hilfe von “science” möglich ist. IOHK, das sind die Leute, die von sich behaupten, die nötige technische Kompetenz zu besitzen, um das zu liefern, was so viele versprechen. Und sie versprechen sehr, sehr viel, nach wie vor. Am Ende wollen sie diejenigen sein, die überall mitspielen und alles vom Kopf auf die Füße stellen.

Aber natürlich müssen auch sie erst liefern …

Wer ist Venkatesh Rao?

Venkatesh ist der Gründer des blogs ribbon farm

Hier ist ein deutsches Interview (vermutlich übersetzt) des Deutschlandfunks mit ihm.

Früher hätte man ihn wohl einen Intellektuellen genannt. Hätte er einen entsprechenden akademischen Abschluss, würde man ihn vielleicht einen Philosophen nennen. Wenn man ihm unbedingt nicht gerecht werden möchte, dann kann man ihn einen Blogger nennen.

Sein Blog enthält eine Unmenge von Texten, die sich seit 2013 angesammelt haben.

Bekannt geworden ist er durch seine Überlegungen zum Gervais-Prinzip und dafür, dass er Schöpfer des Begriffs Premium Mediocre ist.

Wir wollen ihn hier nicht einen Intellektuellen nennen, denn das würde ihn in die Nähe eines biederen Bildungsbürgertums rücken, das so gar nicht zu ihm passt. In seinen eigenen Worten bemüht er sich um refactored perception, iaber das ist auch seiner Anicht nach kein besonders hilfricher Begriff. Sagen wir einmal, er versucht sich darin, eine neue Sichtweise auf das alltägliche Leben zu erzielen, und zwar indem er darüber nachdenkt und schreibt und liest. Im Leben eine Position finden, sich besser darin zurecht finden. Darum geht es.

Und er ist witzig:

Warum müssen wir uns immer festlegen?

Warum muss man sich immer festlegen?

Gewiss! Um Höchstleistungen erbringen zu können, muss man sich spezialisieren. Und dann trainieren, lernen, besser werden.

Wettbewerbsfähig bleiben. Das scheint in einer Zeit, die ja auch immer noch vom Weltbild des Darwinismus geprägt ist, die erste Priorität zu sein.

Aber was kommt danach? Was kommt nach der Erschöpfung? Wann kommt die Erholung, wenn überhaupt?

Man darf nichr mehr alt sein, schlecht ausgebildet sein, sensibel, desinteressiert, ohne Ehrgeiz. (War das eigentlich schon einmal anders?)

Womöglich ist es sogar zu spät, die aktuell hoch gehaltenen Werte vom Sockel zu stoßen und noch einmal neu anzufangen. Es ist ja alles schon da gewesen. Was denkbar war, das wurde zumindest erprobt. Was soll noch Neues nachkommen?

Es schließt sich der Gedanke an, der Mensch sei nun doch allmählich zu einer Art Auslaufmodell geworden. Zu deutlich spüren wir inzwischen die eigene Unvollkommenheit. Wir können den Anforderungen, die wir selbst an uns stellen, nicht mehr gerecht werden. So manches kann die Maschine inzwischen auch besser …

… nun, für jedes einzelne Dasein können wir nicht anders, als anzuerkennen, dass der Zenit eines Tages überschritten sein wird, man einem Ende entgegen gehen wird. Bei der Gattung Mensch als Ganzes aber, da sehen wir das anders.

Was bleibt in 2019 von der Blockchain?

Das Jahr 2018 ist vorüber, und in der Blockchain-Welt ist allgemein der Katzenjammer ausgebrochen. Die Kurse sind unten, die große Party, die Anfang 2018 noch im Gange war, ist vorüber.

Was ist übrig geblieben von all den Whitepapers, den ICOs und den ganzen Twitter-Gestürm?

Eine gewisse Nüchternheit ist womöglich zurück gekehrt. HODL war eben doch nicht allein selig machend.

Es ist nicht das erste Mal, dass man mit einer neuen Technologie ein Heilsversprechen verbunden war. Ich will hier keine Unkenrufe tätigen, aber schon als seinerzeit die radioaktive Strahlung entdeckt wurde, sprach man ihr zunächst heilsame Wirkung zu. Eine positive Energie musste wohl von ihr ausgehen. Marie Curie war nicht die Erste und nicht die Einzige, die den ungeschützten Umgang mit diesem Material mit dem Leben bezahlen musste.

Es gab eine Zeit, als man die Leuchtziffern von Weckern noch mit Radium bemalt. Man trug die Ziffern mit Pinseln auf. Das wurde von einfachen Arbeiterinnen erledigt. Nicht selten nahmen die die Pinselspitzen in den Mund, um sie zu befeuchten. Auf diese Weise gelangte das radioaktive Material in ihrer Körper. Es kam zu schrecklichen Krankheiten, zu einem unausweichichen Tod. Bei einigen lösten sich buchstäblich die Oberkiefer auf. Man wusste einfach nicht genug darüber. Die Arbeitgeber stritten alles ab. Es dauerte eine Weile, bis allgemein anerkannt war, dass Radioaktivität in Wahrheit eine gefährliche Sache war.

Aber das ist ein Exkurs. Mit Blockchain-Technologie hat das alles nicht zu tun, auch nicht mit deren Chancen und Risiken. Und doch … mit etwas Fantasie läst sich eine totalitäre Gesellschaft ausmalen, in der ein Netz aus Maschinen regiert: Die Maschine übernimmt die Kontrolle über die Wirtschaft. Eine künstliche Intelligenz kontrolliert das Bankenwesen. Wir sind sie endlich los, die widerlicheni Banker mit ihren windigen Versprechungen. Das Finanzsystem regiert ein P2P-Netzwerk. Menschliche Entscheidungen beschränken sich nur noch auf die weniger wichtigen Dinge. Ist es das, was wir wollen, wenn wir uns die Blockchain-Technologie herbeisehnen.

Verteilte Systeme, Dezentralisierung. Das sind die Schlagworte, die in 2018 noch nicht das halten konnten, was sie in 2017 versprachen.

Manches dauert eine Weile, bis es in den Mainstream hineingesickert ist. Z.B. die Cloud. Ich hatte dieses Jahr Gelegenheit, etwas näher zu betrachten, was Amazon aus dem Thema Cloud-Computing gemacht hat. Dort ist ein unverstellbar mächtiges Konstrukt aus Konfiguration und Kommunikation entstanden, welches nur noch von Experten verstanden, und von wenigen großen Konzernen beherrscht werden kann.

Die Cloud ist längst Realität geworden, und dennoch kümmert sich keiner mehr darum. Die Cloud hat keine Aufmerksamkeit mehr, weil der Hype darum längst abgestorben ist. Dabei hat die Cloud viel von ihrem Potential im Laufe der Zeit tatsächlich umgesetzt – um dabei erstaunlich unsichtbar zu werden. Heute steuert und beherrscht die Cloud wesentlichte Teile des Internet. Die Amazon Web Services haben in einem Ausmaß die Kontrolle übernommen, die selten themasiert wird. Nur wenigen ist es bewußt. Noch weniger kennen sich aus damit.

Die Blochchain-Technologie wird einen ähnlichen Weg gehen. Es wird still werden um sie. Und genau dann, wenn es richtig still sein wird, wenn keiner mehr hinhört, keiner mehr aufpasst, dann wird die Blockchain-Technologie eben doch ihr Potential entfalten. Vielleicht wird das nicht genau so aussehen, wie es vorausgesagt worden ist. Es wird den Heilsversprechen aus 2017 nicht gerecht werden.

Es wird dennoch eine stille Revolution geben. Die Blockchain-Technologie wird mit den anderen wichtigen Bereichen AI und IOT verschmelzen. Erst dadurch wird sie ihr Potential umsetzen können. – Und keiner wird davon Kenntnis nehmen. Kaum einer wird es bemerken, weil die Welt längst dem nächsten großen Hype hinterher jagen wird.