Der Quantencomputer (1)

 

Etwas Mathematik ist nötig, um zu verstehen, wie ein Quantencomputer funktionieren würde. Dann wird es sehr spannend, obwohl es noch nicht möglich ist, einen solchen Computer zu bauen, der tatsächlich in der Praxis eingesetzt werden kann.

Nun liest man aber allenthalben, dass die Verwendung von Mathematik – alleine schon die Angabe einer Formel – ausreicht, um die Leserzahl eines jeden Textes signifikant zu senken. Also bedeutet ein solcher Schritt auch in diesem Fall den Übertritt in einen einsamen, womöglich leblosen Ort, in welchem der menschliche Verstand dominiert, und Gefühle, Ahnungen, Unwägbarkeiten nichts mehr zu suchen haben.

Wir wagen es dennoch, und versuchen dabei, uns selbst und anderen unsere Menschlichkeit zu erhalten, so schwer das in der abstrakten Formelwelt der Mathematik auch sein mag.

In den Anfange setzen wir eine Meßreihe, also eine Folge von Zahlen \{a_{0} \dots a_{N-1}\}, die einer Messung entsprungen.

Dieser eine Satz genügt ja schon, und wir haben eine Unmenge von Voraussetzungen gemacht:

Eine Reihe von Zahlen …

Schaudernd wendet sich ab, wer mit solchen Sätzen in der Schule gequält worden ist. Und hat man ihm dort nicht sogar erklärt, was überhaupt Zahlen sind, und so weiter und so fort …

Aber das sind alles Erinnerungen an früher, die für uns heute nicht mehr zählen. Heute ist alles anders!

Wir wagen also einen Neuanfang. Wir legen die Zahlenreihe, mit der wir gerade begonnen haben, einfach wieder beiseite und fangen noch einmal mit unserem eigentlichen Thema an.

Wir wollten ja über den Quantencomputer reden. In diesem Gebiet könnten die oben erwähnte Zahlenreihe die Ergebnisse einer Messreihe sein, die an einem Quantensystem durchgeführt wird.

Damit wären wir schon beim wesentlichen Bestandteil eines Quantencomputers, dem Qubit. Denn ein Quantensystem könnte sich aus Qubits zusammen setzen.

Das Qubit kennt nur zwei mögliche Zustände, und damit zwei mögliche Messergebnisse, die wir getrost mit 0 und 1 bezeichnen können. Normalerweise befindet sich ein solches System aber im Zustand der Superposition, und wir können deshalb nicht genau wissen, welches der beiden Messergebnisse wir erhalten werden. Wir können dabei nur noch von Wahrscheinlichkeiten reden.

(Fortsetzung folgt …)

Gedächtnisverlust

(Vorangehender Eintrag hier)

(Es berichtet Klaus Koblach)

Das ist jetzt mehr als zehn Jahre her, aber ich weiß immer noch genau, wie das war an diesem Tag, an dem ich mein Gedächtnis verlor.

Es war der 31. Oktober 2007: Ich wachte morgens auf, und es war alles weg. Mein ganzes Leben, meine Vergangenheit, meine Identität, meine Existenz, alles weg. Ich hatte mein Gedächtnis verloren!

Fast! Es gab noch Ahnungen … die Wohnung, in der ich mich befand, kam mir doch bekannt vor. – Auf einem (meinem?) Schreibtisch ein Geldbeutel. Darin eine Karte:

Dr. med. Gerhard Spitz 
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
Steinstrasse 15
8006 Zürich

Ihr nächster Termin bei uns: Mi., 31.10 15:30 Uhr 

Klar ging ich hin! Und saß dann plötzlich in einem mehr oder minder bequemen IKEA-Sessel einem Mann gegenüber, der mir zuhörte. Ich hatte ihm allerdings nicht viel zu erzählen, schließlich wusste ich nichts mehr über mich. Nicht einmal meinen Namen könnte ich ihm nennen. Es war mir auch ein Rätsel, ob ich Dr Spitz zuvor schon einmal gesehen hatte.

Aber Dr Spitz schien nicht überrascht. Offenbar kannte er mich. Nun gut … für mich ist das damals der Anfang, denn weiter zurück in die Vergangenheit reicht meine Erinnerung nicht.


Jetzt, mehr als zehn Jahre später bin ich immer noch bei Dr Spitz. Allerdings bin ich inzwischen stationär in Behandlung. Als Dr Spitz seinerzeit darauf drängte hätte ich das schlecht ablehnen können. Inzwischen nimmt er sich mehr Zeit für mich, als für andere Patienten. Aber warum tut er das?

Er hört mir geduldiger denn je zu. Bemüht sich, verständnisvoll zu wirken. Er ist professionell. Andere halten mich inzwischen längst für hoffnungslos irre, aber dieser Arzt lässt sich nicht anmerken, was er über mich denkt.

Manchmal wirkt er nachdenklich. Dann schaut er mich an, als sei ich so etwas wie ein Baby für ihn. (Ich bin ja auch undicht geworden. Ich kann das Wasser nicht mehr halten. Er weiß das. Es steht in den Papieren, die er vor sich liegen hat. Es ist Teil meiner Anamnese.)

Inzwischen habe ich deshalb Windeln bekommen. Damit ist es etwas weniger peinlich. Nicht mehr diese gelben Flecken im Schritt, die jeder sehen kann.

Über solche Dinge schreibt man normalerweise nicht, aber ich möchte, dass das bekannt wird. Man soll wissen, wer ich heute bin. Vielleicht hilft mir das. Vielleicht kommen Erinnerungen zurück, wenn sich jemand anderes an mich erinnern. Jemand, den ich früher einmal gekannt habe …

Stephan Loiker zum Beispiel. Es könnte sein, dass ich den früher einmal gekannt habe …


Manchmal gibt es doch noch Erinnerungen. Etwa die Folgende:

Ein Frühlingsmorgen: Eine Frau schiebt einen Kinderwagen auf einem Feldweg entlang. Ich bin das Baby in dem Kinderwagen. Die Frau ist meine Mutter.

Dies kam mir schon mehrmals in Erinnerung, aber immer aus einer anderen Perspektive. Das eine Mal betrachte ich meine Mutter aus dem Kinderwagen heraus mit den Augen eines Kindes. Das andere Mal habe ich dabei die Augen eines Erwachsenen. Wieder ein anderes Mal gehe ich als ein Passant an dem Kinderwagen vorbei und schaue beiläufig hinein. Es ist immer derselbe Augenblick. Aber die Augen, aus denen ich schaue, sind unterschiedlich. Es ist, als ob immer wieder ein anderer dieselbe Erinnerung hätte.

Doktor Schiwago

Es nicht gelesen zu haben, ist eine jener Bildungslücken gewesen, die ich ungern offen lasse.

Was für ein Land! Was für Menschen! Dr Schiwago entstammt der Oberschicht des vorrevolutionieren Russland. Er ist ein sensibler, universell begabter Mann mit Interesse sowohl an Poesie und Naturbeobachtung, als auch an den Naturwissenschaften. Sein Verhalten und sein Charakter wird von ethischen und humanitären Maßstäben bestimmt. Folgerichtig wird er Arzt.

Die grausame Geschichte Russlands verhindert eine glanzvolle Karriere, die seinen Begabungen entsprochen hätte. Er wird im ersten Weltkrieg als Frontarzt zwangsverpflichtet, dann bricht die russische Revolution aus. Es gibt bittere Hungersnöte in kalten Wintern. Er flüchtet mit seiner Familie in den Ural, wird von Partisanen entführt und gezwungen, ihr Feldarzt zu werden und und und …

Der Roman ist auch ein Liebesgeschichte, aber er ist vor allem eine Geschichte Russlands. Tragik ist nicht der richtige Ausdruck für das Geschehen, weil ihm dazu die Unvermeidlichkeit fehlt. Es sind stets Menschen, die entscheiden, und sie könnten auch anders. In der Weite langer kalter Winter bewegt sich eine leidgeprüften Volksseele auf einen Abgrund zu.

Langsam zieht die Revolution herauf, der Bürgerkrieg. Er kündigt sich erst durch unheilvolle Vorzeichen an, wird dann allmählich stärker, grausamer allumfassender. Der Krieg verbündet sich mit der Tundra und ihrer Winterkälte, mit den Eitelkeiten und den Dummheit der Menschen, er zerstört uralte Traditionen und gewachsene Strukturen.

In alledem versucht Schiwago, sich seine Menschlichkeit zu bewahren. In einem Güterwaggon reist er nach Sibirien, muss die Geleise vom Schnee freischaufeln und kann dabei (einer völlig ungewissen Zukunft entgegensehend) dennoch die Schönheit der Scheelandschaft genießen und Gedichte schreiben.

Er liebt Lara, die er von Jugend auf kennt und mit der er erst viel später zusammenkommt. In dieser Liebe findet der Roman seinen Höhepunkt, denn sie kann sich in der neuen nachrevolutionären Zeit nicht erfüllen: Regimeterror und Denunziantentum lassen nicht mehr zu, dass blüht, was blühen möchte. Seine nicht-proletarische Herkunft und sein lebenslanges Ringen um Familienglück, ja nur ums nackte Überleben, haben genügt, ihn zu einer unerwünschten Person werden zu lassen, die jederzeit mit ihrer Verhaftung rechnen muss.

Lara und Schiwago lieben sich trotzdem. Sie leben den unmöglichen Traum, flüchten in die Einsamkeit, Wölfe schleichen ums Haus und es ist klar, es wird nicht gehen. Letztlich ist es Laras Wunsch, einfach nur zu überleben, der beide wieder auseinandertreibt. Sie sind noch nicht mal vierzig Jahre alt. Da ist es einfach noch zu früh zum Sterben.

Lara ist der schöne Engel in diesem Roman, aber sie ist auch ein Opfer ihrer Weiblichkeit und der Willkür eines Mannes, der sie in jungen Jahren verführt und manipuliert. Tugendhaftigkeit und Sinnlichkeit vereinen sich in ihr, ohne zu einem Widerspruch zu führen: Letztlich strebt auch sie wie Schiwago nur nach Normalität und Liebe. Auch sie ist ein Spielball der Zeitgeschichte, der immer dann wieder fortgetragen wird, wenn er gerade einmal zur Ruhe gekommen ist.

Die Hauptfiguren des Romans wollen einfach nur leben, die Betonung liegt auf einfach. Das korreliert mit der Aussage Pasternaks, der sich schon früh vorgenommen hatte, ein “ganz einfaches” Buch zu schreiben. Damit wollte er wohl auch ausdrücken, dass es vom theoretischen Ballast des Zeitgeistes frei sein sollte. Es sollte ein Buch sein, dass die Geschichte so erzählt, wie sie gewesen ist, und wie sie empfunden worden ist, und nicht mehr. Das ist ihm sicher gelungen, obwohl Pasternaks poetisches Naturell ihn daran hindert, zum vollkommenen Realisten zu werden.

Trotzdem gibt es Stellen in dem Buch, in denen Weltanschauliches und explizit Politisches einfließt. Das macht das Buch erst Recht zu einem russisches Buch, denn es verankert sich dadurch in der Tradition russischer Romanliteratur: Diese hatte immer schon eine Tendenz, das menschliche Einzelschicksal in einen geschichtlichen oder gesellschaftlichen Kontext einzubinden. Man denke nur an Tolstois Krieg und Frieden, man denke auch an Dostojewski.

Die großen Romane Russlands sind immer Romane, in denen man gewissermaßen durch ein mit Eisblumen der Fantasie bewachsenes Fenster einen Blick auf das dunkle kalte Land und seine warmen Menschen werfen kann.

Ja, in Doktor Schiwago brennt die Glut des eisernen Ofens im russischen Haus. Der Sturm der Zeit weht das Dach davon, und darunter frieren die Menschen. Sie haben es schwer, sie leiden, sie lieben und kämpfen. Der Ofen brennt weiter und Schneeflocken fliegen darauf. Das ist für mich Russland.

Philip K. Dick: UBIK

Angeblich einer der besten Romane von Philip K. Dick. Auf jeden Fall einer derjenigen, in denen es ihm am besten gelingt, den Realitätsbegriff zu zerlöchern. Die Menschen in diesem Roman sind sich an einem bestimmten Punkt nicht mehr sicher, ob sie überhaupt noch am Leben sind. Wir sind in der Zukunft, und zwar im Jahr 1992. Wenn man bedenkt, dass diese Rezension Ende 2006 verfasst wird, dann wirkt schon diese Jahreszahl bizarr, denn Dicks Zukunft hat nichts mit unserer Realität zu tun.

Es gibt Paronormale (Telekinetiker, Telepathen) und sogenannte Inerte, die die Fähigkeiten der Paranormalen wieder aufheben. Glen Runciter besitzt eine Firma, die unerwünschte paranormaler Ein- und Angriffe durch sein Team aus Inerten bekämpft. Joe Chip, die Hauptfigur ist einer seiner Angestellen. Der Roman enthält eine Fülle unglaublicher Ideen, wie die Realität aus den Fugen geraten kann: Die Zeit scheint rückwärts zu laufen, Menschen verfallen innerhalb von Minuten zu Staub, Geldscheine sind plötzlich nicht mehr gültig, weil sie aus einer ganz anderen Epoche stammen oder plötzlich mit einem Bild von Glen Runciter bedruckt sind.

Aber vor allem hat man in dieser Welt die Verleugnung des Todes auf die Spitze getrieben. Tote werden nicht begraben, sondern in Kaltpackung gelegt. In diesem konservierten Zustand werden die Leichen in sogenannten Moratorien aufbewahrt. Eine geringe Menge an Restvitalität kann auf diese Weise in ihnen konserviert werden, und man kann sie für wenige Stunden über ein Kommunikationssystem wieder aufwecken und per Lautsprecher und Mikrophon mit ihnen kommunizieren. Mit jedem Aufwecken wird die Restenergie des Verstorbenen geringer, man darf deshalb den Kontakt nur selten herstellen, wenn man sich das “Halbleben” möglichst lange erhalten möchte.

Die Verleugnung des Todes, und damit der Nicht-Existenz ist das zentrale Thema dieses Romans. Joe Chip reagiert merkwürdig gelassen, als er zu ahnen beginnt, dass sein Tod vielleicht schon eingetreten ist. Der ganze Roman erzählt kontinuierliche seine Geschichte, und es gibt keinen Bruch an der Nahtstelle zwischen Leben und Tod. Es gibt einfach überhaupt kein Sterben: Leben und Halbleben gehen fließend ineinander über, und das wird über eine brillante Erzähltechnik fühlbar gemacht.

Wessen Körper nicht mehr lebensfähig ist, der kommt in Kaltpackung. Es scheint fast bedeutungslos zu sein, in welchem der beiden Zustände man sich befindet. Der Zustand des Halblebens aber hat die ärgerliche Eigenschaft, dass die Wirklichkeit zu zerfallen beginnt. Joe Chip kämpft dagegen an. Alle andere auch. Und um diesen Kampf geht es, um die skurrilen Versuche der Figuren, sich um jeden Preis gegen das Nichtsein zu wehren. In letzter Konsequenz bedeutet das, dass man sich einen Traum schaffen muss. Wer nicht mehr leben kann, träumt, um weiterleben zu können. Erst wenn die Kraft zum träumen verloren geht, erst dann fühlt man die Kälte der kryonischen Sarges, in dem man liegt. Und erst, wer gar nicht mehr träumt, ist richtig tot.

Das Buch hat schon viele beschäftigt und hat auch bestimmt noch eine lange Rezeptionsgeschichte vor sich. Dick hat einmal gesagt. “Der Gedanke an den Tod macht mich verrückt.” Also hat er dem Unvermeidlichen den Kampf angesagt, und damit ein allgemein menschliches Thema aufgegriffen. Genau das ist Kunst in ihren besten Momenten: Ein genialer Versuch, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Dick hat gezeigt, dass es nicht geht. Er ist tot, aber sein Roman wird weiterleben. So ist das nun mal mit guten Büchern.

Man sollte es lesen. Und man sollte nicht denken, dass ich schon alles über seinen Inhalt verraten habe. Es bietet noch viele Überraschungen …

Philip K. Dick: Eine andere Welt

Philip K. Dick als Science-Fiction-Autor zu bezeichnen, ist eigentlich eine Falschklassifizierung, obwohl er per Konvention diesem Genre angehört. Eigentlich ist es offensichtlich, dass er seine Gegenwart thematisiert und die Stilmittel des SF-Genres nutzt, um zu verfremden und zu verzerren.

In Eine andere Welt geht es um den Fernsehmoderator Jason Taverner, dessen Realität sich dergestalt verändert, dass niemand mehr ihn kennt. Es gibt keine Aufzeichnungen über ihn, nicht einmal eine Geburtsurkunde, seine Fernsehsendungen sind nie gesendet worden, und seine Freundin kennt ihn nicht.

Die Welt, in der er lebt, ist von staatlicher Kontrolle dominiert. Ohne gültige Ausweispapiere kann man sich nicht einmal auf die Straße trauen. So zieht Taverner los, verschafft sich gefälschte Ausweispapiere und versucht das Rätsel seines Identitätsverlustes zu begegnen und sich selbst wieder zu legalisieren. Dabei ist ihm jedoch bewusst, dass es eigentlich aussichtslos ist: Wer den Pols einmal aufgefallen ist, der hat verloren. Nur Anonymität oder Berühmtheit schützt vor Verfolgung, und beides hat er verloren, denn weil er sich nicht legitimieren kann, hat sich die Polizei schon an seine Fersen geheftet.

Taverner ist das Produkt eines Eugenik-Projekts, ein sogenannter Sechser. Das sind Menschen mit ausgewählten Genen und besonderen körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Er ist sehr von sich selbst überzeugt. Seine Attraktivität für Frauen versucht er gezielt einzusetzen. Im Verlaufe des Romans begegnet er mehreren sehr unterschiedlichen Frauenfiguren. Er hat aus kühler Berechnung Sex mit ihnen oder versucht sie auf andere Weise auszunutzen, um der Geheimpolizei zu entgehen. Dabei lernen wir mehrere unterschiedliche Frauenschicksale kennen.

Auch die Polizei ist kein anonymes Machtinstrument, sondern trägt ein Gesicht. Das ist gerade das Spannende an dem Roman: Es gibt keine klare Trennung zwischen Gut und Böse. In diesem totalitären Staat sind eigentlich alle Opfer. Einer der höchsten Polizeibeamten hat ein inzestuöses Verhältnis mit seiner drogensüchtigen Schwester. Er ist ein Gefangener dieser fatalen Leidenschaft, genau wie Taverner letzlich ein Gefangener seiner Überheblichkeit ist.

Deshalb ist diese Utopie völlig anders als die orwellsche Vision des Totalitarismus. Bei Orwell hat die absolute Macht kein Gesicht, der Große Bruder ist nur ein Bild. Bei Dick dagegen sind die Verfolgten genau wie die Verfolger denselben Gesetzmäßigkeiten ausgeliefert. Die Repräsentanten der Macht sind nicht wirklich mächtig: Über ihre menschlichen Schwächen und ihr egoistisches Streben nach individuellem Glück werden sie denen, die sie unterdrücken, letztlich gleich.

Über allem liegt der Dunst der Nixon-Ära in den beginnenden Siebzigern der USA. Unter der Fuchtel staatlichen Kontrollwahns windet sich die Menschlichkeit, und die Täter sind nur die Opfer aus der zweiten Reihe.

Valis – Die ultimative Trilogie von Philip K. Dick

Es sind drei in sich abgeschlossene Romane, die inhaltlich nur sehr lose gekoppelt sind. Drei Romane, die das erzählerische Vermächtnis eines Schriftsteller darstellen, der zu einem Metaphysiker geworden ist, zu einem Wanderer zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn: Valis, Die göttliche Invasion und Die Wiedergeburt des Timothy Archer.

Es ist keine Neuerscheinung, aber eine Neuentdeckung für mich, und eines jener Werke, die Bestand haben werden, obwohl sie sperrig sind, obwohl nur wenige sie lesen werden, und obwohl (oder gerade weil) sie letztendlich ein Scheitern dokumentieren.

Zwar werden drei völlig unterschiedliche Geschichten erzählt, trotzdem bilden die Romane eine Einheit. Das Thema, das Zentralmotiv des Autors ist offensichtlich und oft benannt; es zieht sich als roter Faden durch alle drei Bücher: Immer geht es um die Suche nach Gott, um Offenbarungen, göttliche Zeichen, letztlich um obskuren Mystizismus, um Wahnvorstellungen und – wie immer bei Dick – um den Realitätsbegriff.

Es ist allgemein üblich, Dick mit solchen Vokabeln zu beschreiben. Aber hat man ihn mit diesen Schlagwörtern schon ausgelotet? Nein!

Dicks Gedankenspiele sind ausgefeilt und ausgereift. Sie machen keinen Sinn, wirken absurd, abstrus, banal, lachhaft – und sind doch stets strukturiert, durchdacht, komponiert. Der Leser wird geführt und in Bann geschlagen, manchmal ohne dass es ihm bewußt wird. Wer damit beginnt, Valis zu lesen, der stellt sich sofort die Frage, ob der Verfasser dieses Werks nicht psychisch krank gewesen ist. Und genau mit dieser Frage ist er auch schon mitten im Roman angekommen, denn die fiktiven Gestalten stellen sich ebenfalls diese Frage. Der Autor, mehrmals gebrochen und gespiegelt in zwei Charakteren, stellt sich ebenfalls diese Frage. Und aufbauend auf dieser Frage nach der geistigen Gesundheit weiter hineingezogen in eine der sonderbarsten Erlösertheorien, die je zu Papier gebracht worden sind …

Wer mehr lesen will, der mache sich darauf gefasst, dass diese Bücher genau so sperrig und mühsam zu lesen sind, wie es die Realität nun mal eben auch ist …

Wolfgang Koeppens „Tauben im Gras“

Ich habe Tauben im Gras von Wolfgang Koeppen gelesen. Marcel Reich-Ranitzki schrieb über dieses Buch:

Wer diesen Roman nicht gelesen hat, der solle nicht glauben, er kenne die deutsche Literatur nach 1945.

Ich habe wissen wollen, ob er Recht hat und ob das nun DIE große Literatur schlechthin ist.

Tauben im Gras ist ein Panorama der Nachkriegszeit. In der Tradition von Joyce’ Ulysses wird ein einziger Tag in München 1949 beschrieben. Die Lebenswege verschiedener Personen, die alle mehr oder minder stark unter den Folgen des 2. Weltkriegs leiden, überschneiden sich.

Die Grundstimmung des Buches ist düster bis depressiv. Alle leiden, keinem gehts gut, eine Zukunftsperspektive scheint niemand zu haben, und es gibt offenbar nichts Problematischers als schwarze Besatzungssoldaten. Die Frauen, die mit diesen ins Bett gehen, schämen sich natürlich und leiden ganz füchterlich unter der Situation.

Das Buch ist sprachgewaltig, aber ich finde, man merkt ihm die Mühe an, mit der es vermutlich geschrieben wurde. Die allgegenwärtige Trostlosigkeit scheint mir allzu sehr eine Trostlosigkeit des Autors zu sein, dessen ausdrucksarme Visage passenderweise die Titelseite ziert. Der Stil ist “substantiv-lastig”, es gibt endlose Reihungen, die dazu dienen, die Alltagsmühsal der Figuren detailreich zu illustrieren.

Eigentlich erfährt man das, was man sich über die Nachkriegszeit schon hat denken können: Alter Tafelschmuck musste verkauft werden, so er denn noch zu finden gewesen ist, die Amis allüberall, niemand weiß wies weitergeht, unterschwelliger Fremdenhass u.s.w.

Ich kann nicht beurteilen, ob die Zeit damals wirklich so gewesen ist, M R-R schon, denn er gehört dieser Generation an, um die es geht. Deshalb lese ich dieses Buch mit anderen Augen, als ein Zeitgenosse. Hier mein Urteil als einer, der im 21 Jahrhundert angekommen ist:

Ich finde, dass man Koeppen sein Joyce-Epigonentum anmerkt. Aber während Joyce unglaubliche lyrische, um nicht zu sagen poetische Qualitäten hat, kommt die Prosa eines Koeppen trocken und schwerfällig daher.

Das Buch wirkt staubig und trostlos. Ich finde nicht, dass es den Sprung in dieses Jahrtausend geschafft hat. Besonders den Handlungsstrang mit der deutschen Carla, die von einem kräftigen Schwarzen Ami-Sportler beschlafen wird, wirkt auf mich plakativ und klischeebeladen. Carla will unbedingt abtreiben, weil sie die Vorstellung nicht mehr ertragen kann, dass dieser Mischlingsbalg in ihrer heranwächst. Ähnliches könnte man sich auch gut in einer heutigen Daily-Soap vorstellen. Natürlich: Koeppen wird nicht trivial, aber in meinen Augen ist seine Literatur nicht nur NICHT im neuen Jahrtausend angekommen, sondern hat schon früher nicht den Sprung in die Nachkriegszeit geschafft. Für mich ist es das Buch eines Miesepeters, der sich im Leben nie wohl gefühlt hat. Koeppen hat in einer Zeit voller Umwälzungen zwar modern geschrieben, aber er hat die verengte Sicht eines vom Leben enttäuschten Greises in alle Winkel getragen.

Deshalb will ich die Aussage von Reich-Ranitzki etwas abwandeln

Wer diesen Roman nicht gelesen hat, der kennt die Trostlosigkeit nicht, die der deutschen Literatur in der Folge von 1945 innewohnte.

Karl May lebt!

Karl May ist am 30. März 1912 gestorben. Nach seinem Tode ging das Urheberrecht für 70 Jahre auf seine Erben über. Es ist danach – also im Jahr 1982 – erloschen. (Wer mehr über das Urheberrecht im Allgem einen nachlesen möchte, der kann das auf der Seite urheberrecht.de tun)

Vielleicht ist dieser Autor inzwischen doch ein wenig aus der Mode gekommen. – Längst in die Jahre gekommen sind ja auch die Karl-May-Filme, die in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts für Furore sorgten. Begonnen hatte dieses Rival 1962 mit dem Schatz im Silbersee unter der Regie von Harald Reinl, und endete dann schon im Jahre 1969 mit Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten. Dennoch sind diese (ebenfalls wohl nicht mehr ganz zeitgemäßen) Filme Teil des kollektiven Gedächtnisses einer ganzen Generation geworden, wie die Reiseerzählungen von May. (Die beiden damaligen Hauptdarsteller Pierre Brice und Lex Barker sind ebenfalls inzwischen verstorben, aber in ihnen haben die Hauptfiguren Winnetou und Old Shatterhand eine Heimat gefunden, genau wie damals May’s Reiseerzählungen im Film eine neue Heimat gefunden haben.

Das alles spricht für die Überlebenskräfte, die in Mays Schöpfungen stecken. Deshalb ist es an der Zeit, herauszufinden, in wie weit diese Kräfte ebenfalls ausreichen, um seine Reiseerzählungen in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts zu übertragen.

Zu diesem Zweck habe ich die Seite der Karl-May-Gesellschaft besucht. Dort hat man sich redlich Mühe gegeben, Karl May’s Werk auch digital zu verwalten. Auf diese Weise ist ein Sammelsurium von Formaten und Texten entstanden. Dem Ergebnis kann man eine gewisse Vollständigkeit zwar nicht absprachen, aber es ist dabei leider nichts pragmatisch. Die Texte sind weder bezüglich des Formats noch bezüglich der Zeichenkodierung einheitlich.

Klar, es haben sich verschiedene Freiwillige Verdienste erworben, indem sie die May’schen Texte nach philologischen Kriterien online verfügbar gemacht haben. Aber: Bei Texten, die nicht mehr dem Urheberrechte unterworfen sind, wäre ja eine Aufarbeitung denkbar, durch welche die Texte in den gängigen eBook-Formaten (z.B. EPUB ) kostenlos verfügbar gemacht werden könnten. Das ist bei der Karl-May-Gesellschaft zwar im Prinzip erfüllt, allerdings liegen z.B. die Reiseerzählungen im EPUB-Format nicht in einer Qualität vor, die einem normalen Leser genügen würde: Ich sehe zum Beispiel nicht ein, warum ein eBook die Seitenzahlen enthalten muss, wie sie der eingescannten Vorlage entsprechen. Ein solcher Rückgriff auf die Druckfassung ist doch nur etwas für hartgesottene Literaturwissenschaftler, und nichts für normale Leser! Für die Silbentrennungen am Zeilenende gilt dasselbe, und da hilft es auch nicht, wenn die vollständigen Worte im Anschluss noch in eckigen Klammern hinzugefügt werden.

Es ist mit viel Sorgfalt und Liebe gearbeitet worden, und trotzdem sind die Texte auf diese Weise noch lange nicht in der digitalen Welt angekommen. Da ich mich schon seit längerem mit der Produktion von eBooks beschäftige, hab ich hier sofort eine Herausforderung für mich entdeckt.

Was es bei der Produktion von eBooks für Möglichkeiten gibt, darauf will ich an anderer Stelle eingehen. Hier genügt es zunächst, kurz anzudeuten, was ich gemacht habe. Ich habe die Reiseerzählungen konvertiert und dabei als Basisformat Markdown verwendet, und für die Zeichenkodierung UTF-8. Sämtliche Illustrationen und die Titelbilder habe ich weggelassen, ebenso alle Anmerkungen. Dadurch ist alles so einfach geworden, dass es für mich in ein zumutbaren Zeit überhaupt zu erledigen war.

Im Wesentlichen ging es dann nur darum, die bei der Karl-May-Gesellschaft vorliegenden Texte zunächst in Markdown zu übertragen, und dann (mittels Pandoc ) in eBooks. Das habe ich “nur” für die Reiseerzählungen gemacht, insgesamt immerhin 37 Romane.

Mehr wäre nun einfach möglich, wenn man von den Romanen in Markdown-Format ausgeht, und zum Beispiel noch neue und schöne Titelbilder hinzufügt.

So ist am Ende wenigstens eine kleine Bibliothek der Reiseerzählungen von Karl May entstanden, die ich hier noch kurz “verlinke”. Damit wird es nun für denjenigen möglich, der auf Karl May neugierig geworden ist, alle Reiseerzählungen auf einem Lesegerät zu lesen (auch ein Handy wäre möglich), ohne dass beim Karl-May-Verlag die eBooks für 6,99 € pro Stück erst gekauft werden müssen:

  1. Winnetou I (epub,mobi)
  2. Winnetou II (epub,mobi)
  3. Winnetou III (epub,mobi)
  4. Durch die Wüste (epub,mobi)
  5. Von Bagdad nach Stambul (epub,mobi)
  6. Durchs wilde Kurdistan (epub,mobi)
  7. Der Schut (epub,mobi)
  8. Durch das Land der Skipetaren (epub,mobi)
  9. Im Reich des silbernen Löwen III (epub,mobi)
  10. Im Reich des silbernen Löwen IV (epub,mobi)
  11. Und Friede auf Erden! (epub,mobi)
  12. Der Mir von Dschinnistan I (epub,mobi)
  13. Der Mir von Dschinnistan II (epub,mobi)
  14. Winnetou IV (epub,mobi)
  15. Satan und Ischariot Band I (epub,mobi)
  16. Satan und Ischariot Band II (epub,mobi)
  17. Satan und Ischariot Band III (epub,mobi)
  18. Im Lande des Mahdi I (epub,mobi)
  19. Im Lande des Mahdi II (epub,mobi)
  20. Im Lande des Mahdi III (epub,mobi)
  21. “Weihnacht!” (epub,mobi)
  22. Satan und Ischariot I (epub,mobi)
  23. Satan und Ischariot II (epub,mobi)
  24. Satan und Ischariot III (epub,mobi)
  25. Orangen und Datteln (epub,mobi)
  26. Am Stillen Ocean (epub,mobi)
  27. Am Rio de la Plata (epub,mobi)
  28. In den Cordilleren (epub,mobi)
  29. Old Surehand I (epub,mobi)
  30. Old Surehand II (epub,mobi)
  31. Old Surehand III (epub,mobi)
  32. Im Lande des Mahdi I (epub,mobi)
  33. Im Lande des Mahdi II (epub,mobi)
  34. Im Lande des Mahdi III (epub,mobi)
  35. Auf fremden Pfaden (epub,mobi)
  36. Am Jenseits (epub,mobi)
  37. Im Reiche des silbernen Löwen I (epub,mobi)
  38. Im Reiche des silbernen Löwen II (epub,mobi)

Was ist seither geschehen?

Vermutlich ist kein einziges Atom aus dem damaligen Körper mehr in dem Körper vorhanden, der ich heute bin.

Alles fließt. – Wirklich alles? Wir gehen davon aus, dass es etwas gibt, was wir Seele nennen, oder weniger pathetisch: Identität, Persönlichkeit, Charakter, Wesen. Das, so denken wir, bleibt über das ganze Leben erhalten. Es verändert sich, wird geprägt, geformt, erhält Spuren und Narben. Aber im Kern bleibt es doch dasselbe.

Sonst könnten wir uns ja auch nicht erinnern. Aber ist das so viel mehr als ein Datenspeicher? Ist das mehr als eine abstrakte Klammer, die wir um etwas herum setzen, was wir nicht näher beschreiben, nicht definieren können?

Aber viel greifbarer, fassbarer, wesentlicher und unmittelbarer als dieses sogenannte “Seelische” ist doch der Fluß, die Veränderung, ist was die Zeit aus uns macht. Evident ist nur die Tatsache, dass zwischen dem, der ich einmal war, und dem, der ich heute bin, keine Gemeinsamkeiten mehr festzustellen sind.

Ein sehr beeindruckendes Beispiel dafür, wie die Zeit Menschen verändert, sind die vier Brown-Geschwister. Sie wurden von 1975 bis ins Jahr 2014 jährlich fotographiert, und dadurch ist ein wirklich einzigartiges Dokument entstanden.

Die Privatsphäre der vier Frauen ist zu respektieren. Es ist aber einfach so, dass diese Bilder mit Gewinn betrachtet werden können, auch wenn über die Biographien nichts bekannt ist. Es kommt auch nicht darauf an, ob diese Frauen glückliche Leben hatten oder haben – wo sie gescheitert sind oder wo sie Erfolge feiern konnten. Obwohl die Bilder so wunderbar dokumentieren, wie Zeit Menschen verändern kann, ist ihr wesentliches Thema nicht das Altern oder die Vergänglichkeit.

Entscheidend ist eher, wie sich gelebtes Leben in Gesichtern und Gestalten gewissermaßen ansammelt, dort gerinnt und sich verfestigt. Was passiert ist, man kann es auf den Fotografien besser erkennen, als man das in den Biografien der Frauen je lesen könnte.

Über das Refactoring

Ich habe nun fast zwei Jahrzehnte lang mit dem Programmieren mein Geld verdient. Programmieren war und ist für mich schon immer mehr als ein Beruf gewesen. Es war eine Weise, kreativ zu werden. Es war eine Möglichkeit, sich ständig zu üben, sich weiter zu bilden, und auch Experimente zu machen.

Aber dann und wann halte ich dennoch inne und bekomme Zweifel …

Bei privaten Projekten konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Es redete mir keiner drein. Nicht zuletzt deshalb habe ich gerne und viel privat programmiert. pet projects waren mein Ding. Da gab es keine Verpflichtungen und keine Meilensteine. Wenn etwas nicht gelang, konnte ich es einfach beiseite legen und noch einmal von vorne anfangen.

Im Rückblick muss ich sagen: Vielleicht misslang zu viel … um das dann sofort zu korrigieren … Womöglich habe ich oft zu spät das Misslingen eingesehen

Oft wäre schon viel früher der Zeitpunkt gewesen, ein Misslingen einfach einzusehen und noch einmal von Neuem zu beginnen. Klar, je länger man an etwas gearbeitet hat, desto schwerer fällt es, das alles in den Mülleimer zu legen und einen Neuanfang zu wagen. Also quält man sich mit dem Bestehenden ab. Das Bestehende wird immer schwerfälliger und schwerfälliger.

Es gibt in der Programmierer-Welt viele dicke Bücher zu diesem Thema. Das Oberthema heißt Refactoring: Umgestalten, neu machen, verschlanken, verbessern – und eben auch wegwerfen.

Es ist also kein Thema, das nur für meine pet projects relevant ist. Wie oft habe ich in Projekten, für die ich beruflich gearbeitet habe. genau das erlebt: Über Jahre hinweg wurde von einem ganzen Team von Programmierern an einer Sache gearbeitet, die immer nur mit Ach und Krach funktionierte. Jeder Programmierer kennt das. Jeder Programmierer kennt die Situation, dass (meist aus finanziellen oder zeitlichen Gründen) das “Neu-Machen” keine Option ist. Jeder hat längst erkannt, dass man auf einem Berg aus Altlasten sitzt. Aber keiner hält es für möglich, diesen Berg jemals ab zutragen. Es geht einfach nicht. Es ist zu viele. Außerdem funktioniert das Bestehende ja einigermaßen. Man ist sich also nicht sicher, ob ein neuer Versuch zu einer Besserung führen würde. Womöglich würde der neue Versuch sogar zu einer Katastrophe führen. Das Ergebnis könnte noch katastrophaler ausfallen. Oder aber – schlimmer noch – der neue Versuch könnte zu einer Destabilisierung führen. Man hätte also weniger als zuvor. Man könnte den Kunden nicht mehr mit derselben Zuverlässigkeit beliefern, oder man würde schlechtere Produkte herstellen, oder man könnte sogar eine Zeit lang überhaupt keine Produkte mehr herstellen. Eine veritable Katastrophe!

Also bleibt man aus all diesen guten Gründen auf dem sitzen, was man hat. Jede andere Entscheidung würde unter Umständen sogar dazu führen, dass “Köpfe rollen” würden. Das ist nicht im Interesse des Einzelnen. Es scheint ja auch nicht im Interesse des Ganzen zu sein.