Ein sonderbarer Besucher

(Es berichtet Stephan Loiker)

Gestern war ja Silvester. Ich rechne an solchen Tagen nicht mit Überraschungen. Ich nutze sie zur Erholung, und die habe ich auch nötig.

Als es nachmittags an der Tür klingelte, hatte ich sofort ein schlechtes Gefühl.

Draußen stand ein untersetzter Herr, der durchgängig in Grau gekleidet war. Über seinen Bauch spannte sich ein abgewetztes Jacket, an welchem der obersten Knopf fehlte. Über den Lippen hatte er einen Schurrbart, der fettig zu sein schien. Ich glaubte, ein paar Kuchenkrümel darin erkennen zu können.

Er stellt sich mir als Herr Klaus Koblach vor. Er habe sofort Wichtiges mit mir zu bereden. Es sei persönlicher Natur. Er sei mir zwar nicht persönlich bekannt, trotzdem gäbe es zwischen uns eine noch zu erläuternde persönliche Beziehung. Er wolle mir das gerne bei einem Gespräch erläutern.

Der Mann wirkte nicht gefährlich, also ließ ich ihn herein. Etwas trieb mich wohl auch die Neugierde an, so dass ich ihn in einen Sessel lotste und ihm auf sein Verlangen eine Tasse Kaffee machte. Diese stürzte er in sich hinein, als ob er den Durst eines Verdurstenden zu stillen hätte – mit eben dieser Tasse Kaffee.

Das Gespräch mit ihm verlief sonderbar. Er berichtete zwar ein wenig über sich und seine Interessen, aber dabei wurde nicht einmal klar, welchen Beruf er ausübte, und auch der Grund seines Erscheinens blieb im Trüben.

Schließlich sage er, er habe vor kurzem erfahren, ich sei dabei, eine neue Internet-Seite aufzubauen – lyrx.de – und er habe Interesse, daran mitzuarbeiten.

Warum er mir dann nicht einfach eine E-Mail geschrieben hätte, fragte ich ihn.

Das sei nicht möglich, meinte er. Er habe kein Internet und noch nie in seinem Leben eine E-Mail geschrieben. Er könnte das auch gar nicht. Er habe überhaupt und generell kein Interesse am Internet. Trotzdem sei es unumgänglich, dass er sich nun unmittelbar und sofort im Internet selbst äußere, und zwar ausschließlich und exklusiv auf meiner Seite lyrx.de.

Ich wollte natürlich sofort wissen, warum das so sei, bekam aber nur ausweichende Antworten. Diese Frage würde sich sehr bald aus seinen textuellen Beiträgen für meine Webseite von selbst beantworten und erübrigen. Er wolle mir diese Texte künftig immer auf Papier überreichen. Er habe heute schon den ersten Text dabei. Den wolle er mir gleich geben. Das sei nur der Anfang.

Er ließ mir ein paar Seiten da und war nicht mehr lange zu halten. Mir wurde klar, dass er nur gekommen war, um mir sein Geschriebenes zu überlassen. Eine andere Absicht hatte er offenbar nicht, abgesehen davon, dass er mir den wahren Grund seines Besuches auf keinen Fall verraten wollte. Sehr mysteriös war das, und so ist es bis heute geblieben.

Nun gut, ich bin ein neugieriger Mensch und habe schon aus diesem Grund ein Interesse daran, zu erfahren, welches Geheimnis sich hinter Klaus Koblach verbirgt. Ich werde seinen Texte hier veröffentlichen, und wir werden sehen, was weiter passiert.

Hier der Text von Klaus Koblach

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