Warum hat Roger Federer ein Match verloren?

Gestern verlor Federer sein Achtelfinale bei den Australian Open gegen Stefanos Tsitsipas. – Man sollte besser sagen: Gestern gewann Stefanos Tsitsipas sein Achtelfinale gegen Roger Federer.

Es kommt darauf an, wohin aller Augen gerichtet sind. Normalerweise sind sie auf Federer gerichtet, und dafür gibt es immer noch viele gute Gründe.

Seit langem wartet man bekanntlich auf das Ende der Big Four. Seit diesen Australian Open kann man womöglich mit einigem Grund sagen, dass (Aufgrund des baldigen Aussscheidens von Andy Murray) immerhin nur noch Feder, Nadal und Djokovic übrig geblieben sind: The Big Three.

Schon so oft, unendlich oft ist das Ende der Ära Federer herbei geredet worden. Und eben so oft hat der Meister alle eines Besseren belehrt. Nun ist es aber eine besondere Qualität der Propheten, dass sie einfach immer weiter machen. Egal wie oft sie mit ihren Voraussagen widerlegt worden sind, sie behaupten dasselbe noch einmal und schieben dabei das Datum ihrer Voraussagen einfach noch etwas weiter in die Zukunft.

Da aber der menschliche Alterungsprozess ein unwiderlegbares Gesetz ist, wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Propheten triumphierend die Hände zusammenschlagen und ausrufen können:

Wir haben es voraus gesagt: Federer ist jetzt am Ende.

Nur, wann dieses Jetzt sein wird, das wird keiner gewusst haben, selbst wenn er mit seiner hundertsten Voraussage endlich richtig gelegen hat. Nicht einmal Federer selbst wird das wissen.

Aber es kommt nicht darauf an! Es ist auch längst langweilig geworden, sich mit solchen Gedankenspielchen zu beschäftigen. Viel interessanter ist es doch, den Blick nach vorne zu richten, auf diejenigen, die nachkommen. Bei den Herren gibt es eine ganze Menge, Tsitsipas ist nur einer von ihnen. Und sie erreichen so ganz allmählich ein Level, auf dem sie mit den Großen mithalten können, auch was die Konstanzt angeht.

Oder die erfrischende Aufrichtigkeit einer Naomi Osaka. Endlich ist da eine, auf deren Gesicht zu erkennen ist, ob eine Reporterfrage dämlich gewesen ist, oder nicht. Endlich eine, die sich nicht verstellen will, die jung und witzig ist, und die trotzdem ein außergewöhnliches, ein sensationelles Tennis spielt.

Und dann natürlich Tsitsipas … sehen wir doch einfach zu, was die Zukunft uns mit seinesgleichen zu bieten hat. Es ist einfach spannend, zuzuschauen, wie die Zukunft allmählich näher kommt.

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